Wydanie/Ausgabe 142/22.03.2026

die Einladung zu einer von der Oppelner Universität und dem Marschallamt organisierten Konferenz mit 29 Wissenschaftlern nahm ich gern an. Anlaß war der 90-ste Jahrestag des III. Schlesischen Aufstands, welcher in der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1921 ausgebrochen war. Ich meine, dass es an der Zeit ist, nach so vielen Jahren eine geschichtliche und nicht politische Debatte darüber zu führen. Es sollte endlich die Wahrheit gesagt werden, wie und weshalb es zu bewaffneten Kämpfen in Oberschlesien kam, wer daran teilnahm, woher die finanziellen Mittel stammten. usw.

In meinem Vortrag wies ich darauf hin, dass in der Forschung, was den III. Schlesischen Aufstand angeht, viele Lücken noch zu schließen und Unstimmigkeiten zu beseitigen wären. Schon allein der Fakt, dass man bisher nicht genau untersuchte, wie viele Personen am Aufstand teilnahmen, ist schwerwiegend. Die geschätzten Zahlen in den Veröffentlichungen (Schul- und Geschichtsbücher auch Lexika) unterscheiden sich stark voneinander.

Prof. W. Ryzewki von der Warschauer Universität schrieb, dass "einige Untersuchungen, wie von S. Baczewski und J. Ludyga-Laskowski über das Thema der geheimen militärischen Organisationen, aus politischen Gründen nie an das Licht der Öffentlichkeit drangen".  (siehe Quelle 4). Ein weiterer Punkt ist das Fehlen von Angaben über die Finanzierung: Wie sah die finanzielle und militärische Hilfe Polens aus?

Es fehlen konkrete und glaubwürdige Zahlen darüber, wie viele Schlesier und wie viele Polen aus dem schlesischen Gebiet und wie viele Personen aus dem polnischen Land an militärischen Kämpfen teilnahmen.

     In Medien, Büchern und Schulbüchern wird dieser Aufstand als "Aufraffen des schlesischen Volks" bezeichnet. Es ist schwer von einem "Aufraffen" oder "Aufstehen" des schlesischen Volkes zu sprechen, wenn man keine Angaben darüber hat, wie viele Bewohner Oberschlesiens an Kämpfen teilnahmen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass sie von Personen angeführt wurden, welche nicht aus Schlesien stammten. Ohne fehlende Dokumente kann man auf viele Fragen nicht eindeutig antworten.
    In Zeiten der Republik Polen war die Beurteilung des III. Aufstands politisch vorgegeben und leider hat sich bis jetzt (ewentuel heute), das ist nicht nur mein Empfinden, selbst bei vielen Wissenschaftlern diese Sicht nicht geändert.

Zuhörer meines Vortrags waren nicht nur Gelehrte, Teilnehmer an der Konferenz, sondern, was mich am meisten freute, auch eine ansehnliche Zahl von Zuhörern, welche sich für die Einzelheiten des Aufstands interessierten.

Am Ende des ersten Konferenztages fand bei einer Diskussion eine Zusammenfassung statt, in welcher die Mehrzahl der Wissenschaftler meinen Vortrag positiv beurteilte. Dr. Arkadiusz Karbowiak sagte: "Ich wollte mit Herrn Pollok streiten, aber das ist nicht nötig, denn das was er sagte, ist wahr und ich als Pole bin stolz darauf, dass wir den Aufstand so gut durchgeführt hatten."

Dr. Bernard Linek setzte hinzu: "Sie haben uns nichts Neues gesagt, wir kennen das." Auf meine Frage, weshalb es keine konkrete Literatur zu diesem Thema gäbe, wieso man die Schul- und andere Bücher nicht geändert habe, bekam ich keine Antwort. Einer der Teilnehmer, ein Doktor der Oppelner Universität, war der Meinung, dass man den Begriff Aufstand nicht ändern sollte, er hatte  doch in Schlesien stattgefunden. Doch es war ja, was ich bewies, kein schlesischer Aufstand, sondern ein polnischer  in Schlesien.

Die Presse beurteilte mein Referat positiv. In dieser Arbeit, ein paar Seiten vorher, kann man einige Pressestimenn lesen.

Während eines feierlichen Abendessens auf dem Annaberg wurden Gespräche unter Wissenschaftlern geführt, und einige waren mit meiner Analyse der Fakten und der dargestellten Argumente einverstanden.

Weshalb schreibe ich darüber? Weil die Oppelner Universität die Vorlesungen aller 29 Vortragenden in Buchform herausgeben wollte. Ich weiß nicht, ob die anderen Referate rezensiert  wurden. Meins gab man zur Begutachtung den Professoren Ryszard Kaczmarczyk von der Kattowitzer Universität und dem Dekan Marek Masnyk von der Oppelner Universität. Beide Gutachten versetzten mich in Erstaunen.

Einer der Rezensenten schrieb u. a.: “In den Fußnoten sind unnötige, oder auf jeden Fall nicht analysierte, allgemein akzeptierte oder einfach zu erhaltene biographische Daten angegeben." Auf keinen Fall bin ich damit einverstanden. Ich habe sehr viel Zeit aufwenden müssen, um Informationen für kurze Lebensläufe zu finden, in welchen Geburtsort und Zugehörigkeit zum polnischen Militär sehr wichtig sind, weil sie nachweisen,  dass an den Kämpfen viele hochgestellte polnische Offiziere teilnahmen - Majore und Generäle, welche Schlüsselpositionen im Aufstand besetzten. Ohne diese biographischen Notizen könnte man mir vorwerfen, dass ich nicht bewiesen habe, dass polnische Soldaten am Aufstand beteiligt waren und das als Befehlshaber

Weiter schreibt der Rezensent: "Der Autor bemüht sich  zu suggerieren, dass er die Mythen der polnischen Historiografie entzaubert hat. Diese These ist nicht zutreffend, wenn es um den Anteil des polnischen Militärs an den Begebenheiten im Jahre 1921 geht. Der Beweis besteht unter anderem darin, dass er fast ausschließlich polnische Literatur zitiert, aus welcher er die Mehrzahl der historischen Fakten zu diesem Thema schöpft. Wenn es darum geht, dass die polnische Regierung bereit war, den bewaffneten Aufstand bei einem ungünstigen Ergebnis des Plebiszits zu unterstützen, bin ich mit der These des Autors einverstanden, aber das ist absolut nichts Neues. Weiter ist nach meiner Meinung die Schlussfolgerung am Ende des Artikels zu weitgehend. Das war kein Plan einer Intervention des polnischen Militärs im Plebiszitgebiet, dies war unmöglich auf Grund der internationalen Situation. Es war ein Umgehen der Traktatsverpflichtungen."

Es freut, dass der Rezensent, obwohl nur teilweise, in Sachen Intervention des polnischen Militärs im Aufstand meiner Meinung ist. Natürlich traten sie nicht offiziell in Kompanien, Divisionen unter wehenden polnischen Fahnen auf, aber in Uniformen mit entfernten Achselzeichen. Doch darauf habe ich in meinem Text hingewiesen.

Der Rezensent war auch so freundlich zu schreiben: "Die Beurteilungen der Arbeiten von G. Hitze und des Artikels von Wozniczka sind nur Publizistik, es ist schwer, sie als wissenschaftliche Aussagen einzustufen."

Schade, dass der Rezensent nicht wahrnahm, dass ich die Doktorarbeit von G. Hitze nicht beurteilt habe, sondern nur seine Untersuchungen darstellte (siehe Quelle 197). Was Dr. hab. Z. Wozniczka betrifft möchte ich meine Darstellung in Erinnerung bringen: Ich zitierte seine offizielle Aussage im Schlesischen Sejmik in Kattowitz (Landtag) aus Anlass des Korfanty-Jahres und Teilen des TV-Interviews; in beiden Fällen war ich anwesend, und wir haben über das Thema diskutiert. Darüber gibt es Beweise in Form der Aufzeichnung seines Referates durch die Organisatoren, wie auch die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Man warf mir auch vor, dass ich bei den Quellen den Titel meines Buches "Legenden, Manipulationen, Lügen..." angab, als ich schrieb, dass Schlesien 216 Jahre zum preußischen Staat gehörte, wobei ich nahe legte, dass man das nicht zwingend aus Geschichtsbüchern erfährt. Leider sind diese Informationen nicht immer wahr und eindeutig. Zum Beispiel war ein Historiker (ordentlicher Professor, ehemaliger Rektor der Universität Oppeln) so frei und bestand darauf, dass Schlesien nur 203 Jahre zu Preußen gehörte. Ein Leser muss volle und glaubwürdige Informationen erhalten.

In meinen Büchern und Referaten bemühe ich mich, meinen Lesern und Zuhörern alle nötigen sachlichen Informationen zu liefern. Der Leser könnte die Fakten überprüfen wollen, und nicht immer kann er aus Büchern korrekte Informationen erhalten, weil er weiter in einem Land der Mythen und geschichtlichen Lügen lebt, worüber ich in den Quellen schrieb. `

Wenn wir den Aufstand beiseite lassen, kann als Beispiel der Mythos des Fallschirmturms in Kattowitz erwähnt werden, welcher die Wissenschaftler weiter spalttet, obwohl es Beweise gibt, dass es keine Verteidigung des Turms durch Pfadfinder gab.

Der zweite Rezensent schrieb: “Der Artikel ist voller sachlicher, stilistischer, Interpunktions - und sogar orthographischer Fehler... fatale Sprache (Ausdrucksweise)... Nach meiner Meinung sollte dieser Text nicht in einem seriösen wissenschaftlichen Verlag herausgegeben werden und das unabhängig davon, dass er in der Konferenz dargestellt wurde.”

Hier kann ich dem Rezensenten teilweise beipflichten, er bekam nämlich von den Organisatoren meinen Text in der nicht überarbeiteten Version, also dem Rohmaterial, ohne Korrekturen und noch nicht zur Veröffentlichung gedacht. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass jeder respektable Verlag in seinem Team einen Korrektor beschäftigt, welcher dem Autor Verbesserungen vorschlägt und der einige Korrekturen selbst durchführen kann. Ich bin kein polnischer Philologe und wurde zu einer internationalen Historikerkonferenz eingeladen, als Ausländer, damit man überhaupt von einer "internationalen" Konferenz sprechen konnte. Als Nicht-Pole kann ich eventuell Fehler im polnischen Text begehen, obwohl ich mir Mühe gab sie zu vermeiden. Der Leser kann selbst beurteilen, wie meine polnische Sprache in dieser Arbeit aussieht.

Das Ergebnis der Konferenz wurde durch die Universität in Buchform herausgegeben, aber mein Vortrag wurde da nicht gedruckt. Vielleicht ging es um die polnische Staatsräson, man kann doch nicht Mythen zerstören, welche jahrelang gehegt und gepflegt wurden. Die Beurteilung dieses Fakts sowie der ganzen vorliegenden Veröffentlichung überlasse ich dem Leser.

Hochachtungsvoll -  Ewald Stefan Pollok

Leser  die Interesiert sind an dem Buch "  in deutscher oder in polnischer Sprache, können die Bücher für 5 Euro unter der Adresse bestellen.