Wydanie/Ausgabe 131/04.04.2024

 Als ich vor einem Monat versprach nun über Angelus Silesius zu sprechen, habe mehr versprochen als zu tun möglich ist. Denn was andere jahrelang studierten, dazu kann nach einem Monat hinschauen nichts oder nur wenig neues hinzugefügt werden. Dazu war ich noch 10 Tage im Krankenhaus und versäumte einen von euch zu bitten, mir aus einer Bücherei etwas über unseren Angelus zu bringen. Es ist also über Angelus Silesius viel und weit geschrieben worden, es reicht einem Schlesier nur aus einer Bücherei ein Buch zu leihen. Man schaut also in eine Encyklopedie. Ich tippte erst in die Złota Encyklopedia PWN in meinem Rechner und fand die erste freudige Erkenntnis, die ich mit euch teilen will: Diese Encyklopedia nennt als „mistyk“ 7 Juden, 4 Deutsche 1 Perser, 5 Indier (Hindus), 2 Franzosen, 3 Italiener, 4 Polen, 1 Litauer, 1 Böhmer (Tscheche), 5 Spanier, 1 Armenier, 1 Holender, 1 Araber, 1 Amerikaner (USA), 4 Türken, 3 Griechen, 3 Russen, 1 Engländer, 1 Belgier (Flamane), 1 Chinesen.

Gewiss sollten noch andere auch als Mystiker genannt werden. Aber die Erkenntnis dieser Enzyklopedie sagt uns auch, dass wir neben so vielen Nobelpreisträger auch vier Mystiker hatten. Die 4 Schlesier: Böhme Jakub (1575-1624). Als Schuster in Görlitz ist er die Ehre eines einfachen Mannes und als lutherischer Protestant zeigt er, dass innige Gottesliebe auch unter anderen Christen ist. Franckenberg Abraham von (1593-1652), niemiecki pisarz mistyczny, szlachcic ze Śląska; głosił bezwyznaniową religię wewnętrzną; pozostawił dwadzieścia kilka pism niemieckich i łacińskich; silnie wpłynął na mistykę Angelusa Silesiusa. Czepko Daniel (1605-60) mistyk niemiecki ze Śląska; kontynuator Boehmego; głosił, że objawienie wewnętrzne Boga prowadzi człowieka ku „śmierci mistycznej”; wypowiadał się głównie w poezji; „Das inwendige Himmelreich“. Über Angelus Silesius schreibt diese Enzyklopedie: Angelus Silesius, Anioł Ślązak, właśc. Johannes Scheffler (1624-1677), niem poeta, mistyk; od 1649 w Oleśnicy lekarz nadworny ks. Sylwiusza Niemroda, 1653 przeszedł na katolicyzm, 1661 przyjął święcenia kapłańskie; utwory apologetyczne i poet, liryczne; zbiór kilkuset pieśni religijnych, aforyzmów o mistycznym zjednoczeniu z Bogiem; gł dzieło zbiór epigramatów Pątnik anielski (1657, wyd pol 1924), niektóre z nich przetłumaczył A. Mickiewicz (Zdania i uwagi 1836). Als ich dies einem verwandten Priester (also akademischen Theologen) sagte, war seine Antwort: „Warum wissen wir solches nicht?“ Na to ja – język za zęby i jeszcze przycisł – denn ich sollte ihn fragen: und was für ein Buch hast du zuletzt gelesen?

Wiederholter Maßen hörte ich im Radio Maria: nasz wieszcz narodowy Adam Mickiewicz powiedział: Nadarmo w Betlejem Chrystus się narodził, gdyby w twym sercu się nie odrodził. Traurig für Radio Maria und andere Polen, denn solches haben sie von Mickiewicz, dieser aber von unserem Angelus Silesius abgeschrieben. So ist Andrzej Lam zu danken, dass er in unserer polnischen Ausgabe „Cherubinowy wędrowiec” eine Zugabe bringt: Mickiewicz jako tłumacz Anioła Ślązaka. Aber schon auf seiner ersten Seite lesen wir, dass Mickiewicz noch aus Jakub Bema schöpfte, über den er auch eine kleine Abhandlung schrieb. Lam erklärt viele „Zdania i uwagi“ als von Angelus geschöpft, aber den oben angeführten Satz nicht. Dies mag vielleicht jemanden genügen in einer wissenschaftlichen Arbeit, vielleicht eine Dyplomarbeit zu zeigen wie viel Mickiewicz von Angelus Silesius gelernt hat und dies auch in anderen Werken zeigte. Solches sah selbst ein so fleißiger Forscher wie Stanisław Pigoń nötig, der sich eine Randbemerkung schrieb: „Dodać obszerny przypisek o stosunkach do Silesiusa, Boehmego i St-Martina.

Wir erfahren immer wieder, wie polnisch etwas ist oder war. So soll auch Angelus Silesius „Pole“ gewesen sein, oder zumindestens von bedeutender polnischer Abstammung. Solches zumindestens versuchte der bedeutenste polnische Kirchenhistoriker in Breslau, Bischof Wincenty Urban zu beweisen auf folgende Art. „Angelus Silesius Vater stammt aus Krakau und hieß Stanislaus. Wäre er Deutscher gewesen, er würde Stenzel geheißen haben, da die deutsche Form von Stanislaus Stenzel ist, wie die deutsche Form von Venceslaus – Wacław Wenzel ist“. (mit anderen Worten) Urban merkt nicht dass zu Schefflers Zeit allgemein Mode war seinen Namen zu latinisieren. So nahm sein Sohn, der Johannes einen lateinischen Modenamen an: Angelus Silesius der Schlesische Künder, wie auch ein anderer schlesischer Dichter Greif sich Gryphius nannte: als Schwarzerd ist er nicht bekannt sondern als gar griechisch – Malanchton, und wieviele Polen wissen, dass der hl Sarkander eigentlich Fleischmann hieß. Weiter war Krakau damals keine polnische Stadt, sondern eine deutsche da ja selbst die Sitzungen des Stadtrates deutsch gehalten wurden und deutsch niedergeschrieben. In der Marienkirche war Deutsch Sprache der Predigt und des Gesanges. Unseres Angelus Vater hieß also Stanislaus und war polnischer Ritter, Herr zu Borwicze im Königreich Polen und hatte sich nach Breslau zurückgezogen, vermutlich um den Verfolgungen zu entgehen, welche die Dissidenten (Lutheraner, märische Brüder, und Reformierte) in Polen ausgesetzt waren. (Realencyklopädie für protestantische Tehologie und Kirche, 1906. Bd 17. S542ff). Solches wird in protestantischen Schriften als Übersiedlung angegeben. Er war nicht alter polnischer szlachcic, sondern erst selbst geadelt worden. Soll auch Arzt gewesen sein, also hatte er nach seiner Umsiedlung nach Breslau sein Auskommen. Dort scheint er nicht als „Pole“ gewirkt zu haben, da auch von seinem Sohn nichts polnisches erhalten ist. Mag untersucht werden, warum Vater Stanislaus den Besitz aufgab, wie er zu seinem Namen „Scheffler“ gekommen ist. Aus der Praxis von Namensgebung haben wir unsere Erfahrung, dass der Name eher auf die Einstellung der Eltern hinweist als des Trägers. So wurde in Trachkirch bei Ratibor 1944 ein Sohn auf den Namen „Ehrenfried“ getauft, dem Pfarrer scheint das zu neuheidnisch gewesen sein und schrieb noch „Anton“ dazu. So rettete er dessen Polskość, denn der nächste Sohn wurde 1945 schon als „Bolesław” getauft. Das sagt über die Eltern alles. Eben dort trugen Kinder einer anderen Familie nacheinander die Namen: Chrysta, Peter, Bronek, Siegfried, der Vater hat im Krieg einen Arm verloren, und die Mutter aus Kattowitz stammend hatte erbeten eines ihrer Söhne nach ihrem Vater zu benennen. Wer also für Angelus Silesius, dem nicht einmal sein Johannes Scheffler genug katholisch war, sondern er bei der Firmung sich Angelus nennen lies und dann lateinisch Silesius, polnische Herkunft braucht, dem sei es gewährt, worüber wir einfach schmunzeln wollen.

Unsere Herausgabe der Übersetzung des „Cherubinischen Wandersmannes“ wird wohl nicht so schnell in Polen bekannt werden, es wird daher nützlich sein, dies dem PWN in Warschau zu melden, was sie in den Fundus einer späteren Encyklopädie vorbehalten können.

Als Stundent der Theologie (1950-55) besuchte ich auch Breslau und fand an der alten Christophori-Kirche eine deutsche Gedenktafel an Angelus Silesius. Im März 1971 besuchte ich in Leipzig den Mitbegründer des Quickborns Prof. Hermann Hoffman. Er erzählte mir, dass Angelus Silesius auch schon früher nicht besonders geehrt war. So bemühte er sich, dass zu einem Zentenar (wohl der Geburt) an der Christophori-Kirche eine eiserne Gedenktafel angebracht wurde. Als ich ihm sagte, ich hätte sie in Breslau nach 1951 gesehen und gelesen, wusste er zu sagen: „Nein, sie ist nicht mehr da, sie ist verschwunden“. Nach 1956 gab Gomułka den Startschuss zum „Odprusowienie Ziem Zachodnich“. Dem wird sie zum Opfer gefallen sein. Erst 1999 konnte der Matthesianer-Verband eine zweite anbringen.

Mehr und genauer über Angelus Silesius, über Jakub Böhme, über Abraham von Franckenberg, über Daniel Czepko, über Kasper Schwenckfeld und andere zu berichten überlasse ich anderen eifrigen Forschern, denn sie verdienen Schlesiern bekannt zu werden.