Wydanie/Außgabe 112/23.08.2021

   

Die polnische Zeitung "Rzeczpospolita" hat die Ergebnisse einer Umfrage über ein Thema veröffentlicht: „Welchen internationalen Politiker fürchten die Polen am meisten?” Es zeigte sich, dass 38% der Polen Angst vor der deutschen Politikerin Erika Steinbach haben.

Diese Ergebnisse sind erschreckend und zwingen zum Überlegen. Man sollte erwägen, was der Grund dafür ist; weshalb fürchtet die polnische Gesellschaft einen im Nachbarland lebenden Politiker, woher kommt diese Abneigung?

Wer ist Frau Steinbach? Eine 66-jährige Frau, welche ab 1990, als sie aus den Reihen der CDU in den Bundestag gewählt wurde, eine der Abgeordneten im Bundestag ist. Im Jahre 1998, übernahm sie das Erbe, nach dem Tode von Dr. H. Czaja 1994-1998 und Dr. Fritz Wittman, als Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen. Steinbach ist eine von 598 Abgeordneten des deutschen Parlaments. Sie ist ein einfacher Abgeordneter, anders gesagt, eine von vielen in der Gruppe. Sie ist kein Mitglied der deutschen Regierung. Es wäre schwer eine Information über Sie in einem deutschen Lexikon zu finden, aber in der polnischen Enzyklopädie PWN und in der „Gazeta Wyborcza“ kann man über Sie lesen. Bei einer Straßenbefragung, welche das ZDF durchführte, zeigte man zufällig ausgewählten Passanten ein Farbfoto von Frau Steinbach und fragte: „Wer ist das“? Neun Personen von zehn Befragten antworteten, dass sie Sie nicht kennen. Ein Mann sagte nach längerem Überlegen: „Sie ist wahrscheinlich Politikerin, aber sicher bin ich nicht“. Wie man sieht, ist Frau Steinbach in Deutschland keine bekannte Persönlichkeit. Anders sieht es in Polen aus. In Słubice, wo der zweite Teil der Sonde stattfand, erkannten sie zehn Zufallspersonen ohne zu überlegen auf dem Foto, die eine Person gab einen Kommentar dazu: „Sie ist wahrscheinlich verwandt mit Hitler, Sie ist ihm so ähnlich (Sie hat dieselben Gesichtszüge)“. Eins zwingt zum Nachdenken – hat sie wirklich eine Ähnlichkeit festgestellt oder hat die polnische mediale Hetze zu solchen absurden Ergebnissen geführt?

Jeder dritte Pole hat Angst vor der „blonden Bestie“, wie W. Bartoszewski Sie bezeichnete (der Staatssekretär in der Kanzlei des Premierministers als Spezial bevollmächtigter für die Beziehungen mit Deutschland, mit einem eigenen Büro in einem Gebäude an den Aleje Ujazdowskie). Ein Phänomen dabei ist der Fakt, dass die deutsche Gesellschaft Sie nicht kannte, bevor die polnische Seite so viel unnötige Angriffe auf Sie startete. Manche wollen Rache nehmen für das was Sie tun wollte. Vor einigen Jahren haben Sie und der verstorbene Sekretär der SPD, Prof. Peter Glotz als erste deutsche Politiker klar und deutlich und mit Überzeugung gesagt, dass ein Zeichen gesetzt werden muss, welches die Vertreibung von 15 Millionen deutscher Bürger aus den ehemaligen Ostgebieten des deutschen Staates (Schlesien Pommern, Masuren) wie auch aus anderen östlichen Staaten (Ungarn, Tschechien, Rumänien und Jugoslawien) betrifft. Vorher sprach man zwar über dieses Thema während verschiedenen Treffen, Versammlungen und Konferenzen. Steinbach nahm dieses Thema in Medien auf und schrieb in ihrem politischen Credo, dass während den Vertreibungen über 2,2 Millionen Deutscher umgekommen sind und man das Los der schwer geschädigten Landsleute gedenken soll. Der deutsche Kanzler, Helmut Kohl, erinnerte daran während der Versöhnungs-Messe in Krzyżowa, als der polnische Protestant Mazowiecki und der deutsche Katholik Kohl sich umarmten. Es müsste eigentlich denkbar sein, dass die polnische Gesellschaft diese Geste der Versöhnung verstanden hat und vor allem von den Vertreibungen und der Anzahl der Opfer Kenntnis nahm, welche diese zur Folge hatten.

Frau Steinbach begab sich an die Arbeit mit Zustimmung und Beistand eines Teiles der deutschen Gesellschaft. Im Jahre 2000 stimmte der Bundestag ihren Bemühungen zu und erlaubte ihr mit Stimmenmehrheit die Eröffnung einer Ausstellung (Museums), das „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin, welchem nach langjährigen Diskussionen die Bezeichnung „Sichtbares Zeichen“ gegeben wurde. Steinbach schrieb Briefe an die Regierungen Ungarns und Tschechien, wie auch an den damaligen Außenminister, Herrn W. Bartoszewski, mit der Bitte um Verständnis für diese deutsche Idee und um Hilfe bei der Realisierung.

Mit Tschechen und Ungarn gab es keine Probleme. Schnell wurden Gespräche initiiert. Steinbach wurde von den Regierungen eingeladen und im ungarischen Parlament konnte Sie ihre Konzeption darstellen. Die polnische Seite, repräsentiert durch Herrn Bartoszewski, reagierte überhaupt nicht auf dieses Schreiben. Auch keine Reaktion auf den zweiten Brief von Frau Steinbach. Nicht nur das – der Herr Minister mied Sie wie er nur konnte. Auf der Internationalen Buchmesse in Leipzig signierte Herr Bartoszewski sein Buch, wie er aber im Publikum Frau Steinbach erblickte, verschwand er hinter den Kulissen sofort nach Beendigung des Autorentages, durch Bodygards geschützt. Er wollte nicht mit Frau Steinbach reden. Herr Minister erklärt offiziell, dass er stolz darauf ist, dass er Ihr nie die Hand gegeben hat… Simple Höflichkeit würde erwarten lassen, wenigstens die Unterhaltung zu beginnen und den polnischen Gesichtspunkt darzustellen. Flucht sieht wenig elegant aus und unprofessionell. Oder hat Herr Bartoszewski Angst davor, dass Frau Steinbach zu starke Karten in der Hand hat, welche man ihr nicht wegnehmen kann? Bartoszewski nannte Sie Anti-Polin und verglich sie mit dem lefebristischen Bischof Richard Williamson, welcher den Holocaust negierte. Senator Arciszewska aus der Polnischen Treuhand verlor den Prozess im deutschen Gericht, muss Busse zahlen (50000 EURO) und hat Verbot der Publikationen, in welchen ein Zusammenhang von Steinbach und Nationalsozialismus suggeriert wird. Man hat wahrscheinlich vergessen, dass in der EU die Kultur des gegenseitigen Verständnisses herrscht, und dass man den Ton der Hysterie, eingefärbt mit nationalsozialistischer Soße meiden sollte.

Polen war die ganze Zeit gegen das Zentrum, sicher aus Furcht, dass die Deutschen die Realität der Nachkriegszeit zeigen werden, welche in den ehemaligen deutschen Ostgebieten herrschte. Man hatte und hat noch heute Angst, dass Europa erfährt, wie unmenschlich man Menschen aus ihren Häusern trieb ohne Rücksicht darauf, dass es Kinder, alte Frauen und Greise waren.

Minister Neumann gibt zu, dass es keine Möglichkeit gab, eine internationale Historikerkonferenz zu organisieren, unter Anderem deshalb, weil die polnischen Historiker den Anteil verweigerten. Die polnische Seite versuchte mit allen ihr zu Verfügung stehenden Mitteln diese Initiative zu blockieren. Zur Diskussion in „Rzeczpospolita”, an welcher auch Donald Tusk teilnahm, auch Vertreter anderer Parteien (UW, PSL, SLD, P i S) wurde auch Frau Steinbach eingeladen und damals kritisierte Tusk den Gedanken, ein Zentrum gegen Vertreibungen zu schaffen, und wie P. Semka schrieb, „unterstrich er, dass Erika Steinbach sich in einem sehr delikaten, sensiblen Bereich menschlicher Verletzungen (Traumas) bewege und verharschte Wunden aufreiße, welche der Krieg verursacht hat“. Es ist schwer von Kriegsverletzungen zu sprechen, weil alle mit Deutschen verbundenen Dinge erst nach dem Kriege entstanden. Die meisten Menschen wussten nichts davon, denn Vertreibungen und Nachkriegslager waren ein verbotenes Thema (tabu). Eine Berührung dieses Themas drohte große Unannehmlichkeiten nach sich zu ziehen, man durfte weder darüber schreiben, sprechen oder diskutieren. Die Polen erfahren erst jetzt, wenn sie das wollen – und es kommt im normalen Leben verschiedenes vor - was damals geschah und sie können an manche Dinge nicht glauben. Jedes Mal wenn ich davon spreche, schauen sie mich ungläubig an, „denn so etwas konnte doch nicht geschehen“ oder „so etwas konnte nicht sein“. Nach so viel Jahren würden wir bestimmt davon wissen, es sei denn sie verwechseln es mit den deutschen Konzentrationslagern im Kriege, denn davon wissen wir viel Schlimmes. Man erklärte mir mehrmals, dass so etwas nicht geschehen konnte, „denn wir Polen haben gute Herzen und sehr viel Christentum in uns und wir könnten so etwas nicht tun“.

Sogar jetzt, nach Jahren von Diskussionen über Frau Steinbach weiß der größte Teil der polnischen Gesellschaft nicht um was es hier geht. Ich sprach mit vielen Menschen darüber und niemand konnte mir sagen worin das Problem besteht. Man sagte “man schreckt uns mit irgendeiner Steinbach, aber wieso sie für uns schrecklich ist wissen wir nicht“, und ein Anderer fügte hinzu:“ Angeblich will Sie uns die Häuser und das Land wegnehmen“

Als ich ein Interview mit einem Professor hatte, welcher Berater des Außenministers war und Botschafter in Südkorea, war ich entsetzt durch das was ich gehört habe, wie auch immer, von keinem Durchschnittsmenschen, welcher verlangte: „ Nennen Sie bitte das Verhalten der Polen gegenüber Steinbach nicht Hass. Die Polen verachten sie nur“. Und weiter: „ Sie nimmt notorisch eine antipolnische Stellung ein. Sie war es, welche gegen den Vertrag mit Polen war, und gegen unseren Beitritt zur EU und NATO und sie gibt immer im Lebenslauf an, dass Sie in Ruhmel (Rumia) in Westpreußen geboren ist“. Wenn diese Vorwürfe zu Hass verpflichten, dann kann jeder halbwegs normal denkende Mensch nur mit dem Kopf schütteln. Es ist wahr, dass Steinbach so wie 22 andere Abgeordnete des Bundestags gegen die Oder-Neiße Grenze gestimmt hat, aber nach dem Unterschreiben der Dokumente während des Treffens 2+4 nie diese Abmachung unter Frage gestellt hat. Was die EU betrifft war Steinbach der Meinung, dass Polen erst einige strittige Fragen erledigen soll, welche man nicht abschließen kann und der Grund von Missverständnissen sind. „Eine historische Versöhnung ist unmöglich, wenn dunkle Kapitel der Vergangenheit tabu bleiben. Dazu gehören auch Vertreibungen und Völkermord“.

In einem demokratische Staat darf man seine eigene Meinung haben und auch verkünden, was Frau Steinbach auch tat. Man müsste auch darüber nachdenken, als die polnische Delegation in Nizza das bekannte Motto „Nizza oder den Tod“ erfand. Die Delegation kämpfte darum, dass Deutschland so wenig wie möglich Stimmen im Europarat bekäme. Sollen die Deutschen jetzt beleidigt sein und nicht mit den polnischen Vertretern sprechen, weil Polen gegen Deutschland war? Die Deutschen schauen weiter, langfristiger, die Polen treten oft am Platze oder gehen zurück in die Vergangenheit, wie Präsident Kaczyński auf dem europäischen Forum versucht hat zu überzeugen, weshalb Polen mehr Stimmen zustehen: „Wenn es keinen Krieg gegeben hätte, würde Polen jetzt 60 Millionen Einwohner haben und mehr Stimmen im Europarat“. Die Eurodeputierten waren schockiert durch so eine Darstellung der Sache, sie wussten nämlich, dass in ganz Europa Krieg war, was der polnische Präsident wahrscheinlich vergessen hatte. Das zeugt von Unkenntnis der Geschichte Europas und Berufen nur auf die eigene Geschichte.

Was den Geburtsort betrifft, da möchte man wahrhaftig nicht glauben, dass bis heute in den Köpfen der Polen kommunistische Stereotype funktionieren, nach welchen „wir auf Leipzig „Lipsk“ sagen dürfen oder „Ratyzbona“ auf Regensburg, aber um Gottes Willen soll man nicht „Breslau“ auf Wrocław sagen“. Frau Steinbach war so frei (frech) und gibt ihren Geburtsort mit „Ruhmel“ an obwohl dieser Ort nur Rumia genannt werden darf. Rumia hieß sehr lange „Ruhmel“ und gehörte zu Preußen, erst vom 10 Februar 1920, als dieser Ort im Rahmen des Versailler Vertrags Polen zugesprochen wurde und dann erst Rumia genannt wurde. Soll so eine Kleinigkeit Grund sein um jemanden zu hassen? Auch deshalb nicht, weil einige Polen in ihren Pässen Lwów oder Wilno als Geburtsorte haben und nicht Lviv oder Vilnius.

Kleinlich sind die Dinge, mit welchen sich ein Teil der Polen befasst, anstatt etwas zu schaffen, was die beiden Nationen annähern könnte. Die Teilnehmer der Konferenz der drei Mächte in Potsdam wurden vor teilweise vollendete Tatsachen gestellt, weil vor ihrem Beginn im Juli 1945 auf unmenschliche Weise schon 400 Tausend Menschen vertrieben wurden und zig Konzentrationslager für die deutschstämmigen Bewohner Schlesiens, Pommerns und Masuren eingerichtet waren, auch für die Deutschen in anderen Teilen Polens. Als Lager wurden die ehemaligen deutschen Konzentrationslager benutzt, mit Ausnutzung der dort bestehenden Infrastruktur. Das erste Lager entstand im Herbst 1944 in Krzesimów in der heutigen Wojewodschaft Lublin. In einigen Regionen Polens, vor Allem in Pommern entstanden Lager in völlig zufälligen Objekten (Kasernen, Krankenhäuser, Fabrikruinen, zerstörten Klostergebäuden oder Palästen) so genannte „wilde“ Lager, welche den Kreis- oder Stadtstrukturen des Amtes für Öffentliche Sicherheit unterstellt waren.

Nach Beendigung der Potsdamer Konferenz wurde in Schlesien die sogenannte Verifikation durchgeführt, bei welcher jeder Bewohner sich für Polen entscheiden musste, wenn er das nicht tat, wurde er aus seinem Wohnsitz vertrieben, in ein Lager eingeliefert und wenn er das überlebte – nach Deutschland ausgesiedelt. Vor der Verifikation wurden diejenigen Leute vertrieben, welche die schönsten und größten Höfe besaßen, welche man für die eigenen Leute verwenden konnte.

Es war sehr unterschiedlich bei dieser Aussiedlung. Einen gab man eine Stunde zum Packen, Anderen eine halbe Stunde, aber meistens genügten 10 – 15 Minuten, um die nötigsten Habseligkeiten zu packen um sich beim Appell auf der Strasse zu melden. Die Vertriebenen wurden geschlagen, sie mussten tagelang auf den Transport warten, sie wurden von den Resten ihres 20 kg schweren Gepäcks beraubt, unter unmenschlichen Bedingungen transportiert, oft ohne Verpflegung, was dazu führte, dass viele Leute während dem Transport starben. Nachdem die Vertriebenen ihre Wohnungen verlasen hatten, wurden diese beraubt von allem was wertvoll war, der Rest wurde mit Äxten zerschlagen oder angezündet. Die meisten dieser Leute wurden auf diese Weise ihres Wohnsitzes beraubt und wurden in Lagern untergebracht, welche so schön „Arbeitslager“ genannt wurden, in welchen Tausende wegen Hunger, Krankheiten und Misshandlungen starben und manche ganz einfach ermordet wurden. Wie TV Polonia behauptet, gab es in Polen circa 1200 solche Lager. Den deutschen Quellen nach, waren es 1255 Konzentrationslager, Arbeitslager, abgesonderte Orte und 227 Gefängnisse, davon auf den „Wiedergewonnenen Ländern“ 681 Lager und 110 Gefängnisse. Beispielsweise in der Wojewodschaft Łódź existierten nach 1945 - 81 Lager verschiedener Typen, in der Wojewodschaft Warszawa - 54. Im Kreis Olsztyn – 126, innerhalb der heutigen Wojewodschaft Opole 212 Lager und Gefängnisse.

In einem Interview für TV Polonia erklärte Prof. W. Bartoszewski: „Das Protokoll vom Herbst 1945 bei der Übergabe des Lagers in Świętochłowice, welches keines der größten war (aber das Blutigste – Erklärung des Autors), aber eines der Berüchtigten und Bekanntesten spricht davon, dass während einiger Monate, als Kommandant Morel regierte mit Sicherheit nach offiziellen Angaben 1/3 der Sträflinge gestorben ist und man kann annehmen, dass diese Zahl noch größer war“. Und hiermit hat Bartoszewski Recht, seiner Aussage kann man hinzufügen, dass 1800 von Morel unterschriebene Todesurkunden gefunden wurden. Man nimmt an, dass in diesem Lager vom Februar bis November 1945 an die 2500 bis 4000 gefangene Menschen umkamen.

Den schlimmsten Ruf hatten die Lager von Świętochłowice, Jaworzno, Trzebinia, Potulice, Sikawa bei Łódź, und Leszno-Gronów, wo sogar ein Arbeitslager für Kinder (!?) ab einem halben Lebensjahr existierte. Am 19. Mai 1949 befanden sich dort noch 339 Kinder, wobei:

12 halbjährige

7 einjährige

13 bis zu 2 Jahren

13 bis zu 4Jahren

54 bis zu 6 Jahren

88 bis zu 8 Jahren

81 bis zu 10 Jahren

71 bis zu 12 Jahren

Eine spezielle Abteilung für Kinder wurde im Lager in Potulice eröffnet, wohin Kinder aus ganz Polen hingebracht wurden.

Ich gebe 10 Beispiele von Kindern mit Namen, welche mit „B“ anfangen, welche im „Arbeitslager“ in Potulice gestorben sind.

- Becker Willi geb. 9.03.1943 gest. 28.04.1946

- Behrendt Marta geb. 20.01.1945 gest. 23.02. 1946

- Biendara Erika geb. 28.09.1945 gest. 19.02. 1946

- Bleck Ewa.Maria geb. 29.06.1945 gest. 20.05.1946

- Blich Werner geb.31.12. 1945 gest. 18.02.1946

- Block Remil geb.5.06.1948 gest. 7.11.1948

- Bloumann Klaus geb.14.01.1949 gest. 29.01.1949.

- Bohlmann Elfriede geb.13.10.1944 gest. 25.06.1946

- Bolke Rudi-Siegfried geb.8.1.1945 gest. 3.11.1945

- Born Renate geb.10.11.1945 gest. 14.11.1945


Außer Kindern wurden auch Greise in „Arbeitslager” gesteckt wo sie ihr Leben beendeten.

Ich gebe als Beispiel 10 Personen an, nicht die Jüngsten:

 

- Barut Maria 8.08.1863 4.03.1945 Potulice, 82 Jahre

- Bembke Wilchelmina 15.04.1867 6.03.1945 Potulice, 78 Jahre

- Bland Michalina 16.09.1858 7.03.1945 Potulice 87 Jahre

- Bloch Paulina 19.11.1862 29.01.1948 Sikawa 86 Jahre

- Bosler Paulina 9.05.1869 3.09.1948 Potulice 79 Jahre

- Busch August 19.04.1866 4.09.1948 Potulice 82 Jahre

- Ceres Gustaw 22.04.1859 6.11.1946 Sikawa 87 Jahre

- Dabert Josef 6.06.1868 4.11.1945 Sikawa 77 Jahre

- Dimanski Ida 23.02.1866 29.01.1948 Leszno 82

- Dejowa Florianna Sikawa 96 Jahre

Besonders oft erwähnte man (und tut es jetzt noch), das Lager in Łambinowice nicht weit von Niemodlin. Während der Besprechung im Sitz des Kreises Niemodlin über die Lösung des Problems der Bevölkerung wurde am 14. Juli 1945 ein Protokoll angefertigt, in welchem wir u. A. lesen „Stehend vor dem unlösbaren Problem der Ansiedlung in unserem Kreise auf andere Weise – die Einrichtung eines Konzentrationslagers“.

Man spricht davon unter Anderem deshalb, weil fast durch ein halbes Jahrhundert die polnischen Behörden die dort begangenen Verbrechen nicht zugaben, nicht nur das, sie warfen den Westlichen und besonders den Deutschen Medien vor, dass sie gegen Polen hetzen und dazu führen wollen, dass man Polen nicht vertraut, und das Alles nur eine antipolnische Aktion der Revisionisten sei, welche die Hitler’schen Verbrechen vertuschen wollen. Auch einige polnische Kombattanten und ehemalige Sträflinge in Hitler’schen Lagern erklärten, dass es in Łambinowice kein Lager für Deutsche gab. Als das Buch der deutschen Schriftstellerin Helga Hirsch „Die Rache der Opfer“ erschien (übersetzt aus dem Deutschen) sofort meldeten sich Sträflinge des Nachkriegslagers in Potulice, welche behaupteten, dass es nach dem Kriege kein Lager für Deutsche in Potulice gegeben habe. Wie man die Sträflinge in diesen Lagern behandelte möchte ich an Beispielen darstellen.

Die Wächter im Lager Łambinowice riefen Frauen und Mädchen zu sich und vergewaltigten Sie vor den Augen anderer. Ungehorsam wurde schwer bestraft. Zeugenaussagen sprechen von konkreten Morden: „ Im Lager wurde misshandelt, gehackt, getreten und getötet (...) Es gab Gräber, 150 Meter lang, 24 Meter breit und 2 Meter tief. Einer der Wärter sagte: „Von 20 Deutschen, welche ins Lager gebracht wurden, wurden 9 getötet und den 10-ten erschoss der Lagerkommandant Gęborski persönlich.“

Der Leichenwärter erklärte: „Zuerst wurden die Leichen in Luftschutzgraben innerhalb des Geländes des Lagers begraben und später auf einem neuen Friedhof“ - 170 Leichen in einer Reihe. Während dem Löschen einer Holzbaracke eröffneten die Wärter unerwartet Feuer aus Gewehren und Maschinengewehren. Unter den Sträflingen brach Panik aus. Ein Teil der Leute aus Angst vor dem Tode lief in die brennende Baracke, aus welcher man später die verkohlten Leichen barg. Die Wärter jagten Sträflinge, welche aus Angst vor dem Feuer und den Gewehren wegliefen; man führte ganz gewöhnlich eine reguläre Menschenjagd durch.

Die Gefangenen erklärten mit Bestimmtheit, dass auf diese Weise sehr viele Menschen getötet wurden, und der auch im Lager eingesperrte deutsche Arzt Esser stellte anhand seiner Notizen fest, dass an einem Tage 581 Leute ihres Lebens beraubt wurden. Offizielle Dokumente sprechen von 48 Personen, welche den Tod fanden.

Eine der Gefangenen, eine einfache Frau aus einem Dorfe, welche Schwierigkeiten bei der korrekten Formulierung von Sätzen hatte, schrieb so: „Die polnische Miliz kam immer um zu rauben, nichts war vor ihr sicher. Am 14. Juli 1945 hat die Miliz alle Bewohner in ein Gehöft gejagt. Vor allem wurden die Männer furchtbar mit Kolben geprügelt. Ein Teil der Männer, welche von den Russen freigelassen waren, wurden sofort in einen Schweinekoben eingesperrt in welchem viel Mist lag. Drei polnische Soldaten, von denen einer einen Gummiknüppel in der Hand hielt, standen bei meiner Hereinführung. Der Dolmetscher erklärte: „Sie bekommen 10 Schläge und wenn Sie schreien dann 20“. „Nach dem dritten Schlag fiel ich in Ohnmacht und weiß nicht wie viel Schläge ich erhielt. Blutend und geschwollen hatten wir Schwierigkeiten beim Sitzen und Gehen.“

Ein anderer Sträfling gibt an: „Am 27. Juli 1945 im Morgenschimmern umstellte die Miliz das Dorf. Angstvoll sahen wir, dass in jedes Haus Soldaten reingehen. Etwas später kam auch einer von ihnen zu uns. Die Tür wurde aufgerissen und er sagte: „Alles was deutsch ist in 5 Minuten raus“. Meine drei Kinder nahmen ängstlich etwas zum Anziehen, ich nahm Töpfe für das Essen. Aus jedem Haus kamen Leute mit Bündeln, manche barfuss. Sogar Schwerkranke mussten aus dem Hause.

Bei der täglichen Gymnastik prügelte man die Männer. Ein Wärter hackte einen Sträfling und schlug ihn ins Gesicht so dass er umfiel. Sofort stürzten sich weitere Wärter auf ihn, schlugen mit Knüppeln, traten mit Füssen so, dass der Arme nach paar Minuten nicht mehr am Leben war. Einer Gruppe von 6 Männern zwang man zum Aufsetzen von Stahlhelmen. Dann schlug man auf die Helme mit allen Kräften. Mit Schrecken mussten wir zusehen. Blut lief aus allen Helmen, aber die Männer lebten noch. Selbst bis heute hab ich in den Ohren die furchtbaren Schreie eines Geprügelten. Tag täglich sah ich wie Leichen abtransportiert wurden.

Frauen, welche zusehen mussten wie ihre toten Kinder und Männer vergraben wurden, sammelten ein paar Blumen und steckten sie in die Erde wo ihre Nächsten lagen. Als das die Wärter sahen, mussten wir uns in einer Reihe aufstellen und ein Wärter fragte, wer die Blumen hineingesteckt hat. Einige Frauen meldeten sich und jede bekam 75 Schläge mit dem Gummiknüppel. Die geschwollenen Striemen platzten und Eiter floss heraus. Eine der Frauen starb nach diesen Schlägen. Die moralische Verwilderung und das tierische Verhalten der Wärter war unvorstellbar. Ein im Lager eingesperrter Mann nach Überleben dieser Hölle sagte: „Bei der Zählung während dem Morgenappell sagte man uns einmal die Zahl auf polnisch, wer sich das nicht gemerkt hat wurde bis zur Besinnungslosigkeit geprügelt. Drei Männer von meinem Transport wurden an diesem Morgen so lange geschlagen, bis sie ihren Geist aufgaben. Ich wurde mit sechs anderen Männern zum Begraben der Leichen zugeteilt. Wir mussten sie hinter die Baracke der Frauen tragen und hinlegen. Dem ersten Toten zerschlugen die Wärter den Kopf so, dass von dem ganzen Kopf nur der halbe untere Kiefer übrig blieb. Das Gehirn und die Knochen lagen daneben. Der Zweite wurde mit schweren Schuhen getreten und nachher wurde ihm die Kleidung angezündet. Es blieb nicht viel übrig von ihm. Der Dritte wurde auch mit Tritten „behandelt“. Als wir das Grab gruben, kamen die Wärter zu uns. Einer von uns, Herr H. aus Niemodlin, musste sich auf den Bauch legen, um 25 Schläge mit dem Kolben zu bekommen. Etwas später kamen noch drei neue Wärter dazu und dann mussten wir uns alle auf den Bauch legen und wurden mit Gewehrkolben geschlagen. Willi B. trug eine Brille mit sehr starken Gläsern. Als Brillenträger musste er sich auf den Rücken legen und die Arme weit ausbreiten. Einer der Wärter trat ihm mit dem Schuh auf die Gurgel. Ein anderer schlug ihn mit der Waffe in die Seite. Willi flehte, dass sie ihn doch erschießen sollen, darauf kam als Antwort mit höhnischem Lachen, dass er langsam krepieren soll. Willi hatte keinen Mut um sich auf der Krankenstation zu melden und hängte sich in der Nacht an seinem Hosengurt auf.

Der Zeuge Mitschke stellt seinen Aufenthalt im Lager so dar: „Während den Appellen wurden die Gefangenen oft von den Wärtern geschlagen. Das Schlimmste waren die Nächte, wenn die betrunkenen Wärter durch die Blöcke gingen. Oft hörte man Gewehrschüsse. Den Gefangenen setzten Hunger, Läuse und Flöhe zu. Die Arbeit war sehr anstrengend. Im Lager funktionierte ein Begräbniskommando (8 Personen), welches täglich 25-30 Gestorbene und Ermordete beerdigte.“

Ein anderer Zeuge, H. Aschmann, meint, „dass die Nacht vom 25/26 Juli die furchtbarste war. Ins Lager kamen 40 neue Sträflinge, davon wurden in der Nacht sofort 15 ermordet oder starben nach Torturen. Diese Leute waren nicht mal registriert.“

Eine der Mütter behauptete, dass sie gesehen habe wie eine Frau ihren Mann erkannte und vor Freude zu ihm ging. Dafür mussten beide 3 Tage in der prallen Sonne liegen mit dem Gesicht nach oben. Sie erhielten dabei keine Nahrung. Beide starben dann bald. Ein anderer Inhaftierter erzählte wie bei den Abendappellen fast jeden Tag 4-8 Personen mit Kolben erschlagen wurden.

Ein anderes Problem war die Versorgung des Lagers mit Lebensmitteln. Die neu Angekommenen mussten ihren ganzen Proviant, welchen sie hatten, abgeben. Man durfte Freunden und Verwandten keine Lebensmittel von Außen zukommen lassen. Die Basis der Verpflegung war 1 Liter heißes Wasser und in diesem Wasser 1-2 Kartoffeln zum Frühstück und dasselbe zu Mittag. Die Kartoffeln waren alt und meistens verfault. Eine Angestellte in der Lagerküche, Frau Maria Titze sagte aus, „Brot gab es manchmal vier Wochen lang nicht“. Zum Trinken bereitete man Tee aus Gras und selbstgesammelten Kräutern, welche man im Lager fand. Nach ein paar Wochen fand man kein Grashalm mehr auf dem Lagergelände. Zeugen behaupteten, dass: „Die Menschen starben vor Hunger und Krankheiten, welche das Resultat der Unterernährung waren. Die Tagesration schätzten die Inhaftierten auf circa 400-600 Kalorien.

Man könnte meinen, das die Zeit der Wahrheit gekommen sei, aber wie man sieht das Zugeben, der Welt gegenüber und besonders den eigenen Bürgern, welche man bis heute belügt, ist sehr schwer. Verschiedene Verbrechen und Morde schiebt man den Deutschen und Russen zu, und jetzt sollte man auf einmal sagen – wir verdienen auch keinen Heiligenschein. Das ist nicht einfach.

Piotr Jendroszczyk, der polnische Korrespondent schreibt aus Berlin: „Die Deutschen, obwohl sie die Verantwortung der Vorfahren für die größten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit nicht vergessen haben, schauen aber heute ganz anders auf die Geschichte – nicht mehr aus der Perspektive von Nachkommen der Verbrecher. Sie haben erkannt, dass sie auch Opfer des zweiten Weltkrieges waren: Der Bombardements der Allianten, und auch der Polen, Tschechen und anderer Völker, welche – wie sie sagen – Millionen Deutschen vertrieben haben.

Der ehemalige Chef der Untersuchungsabteilung im IPN, Staatsanwalt Witold Kulesza, in einer Unterhaltung mit mir (Życie Warszawy) über das Lager in Świętochłowice sagte, dass der Kommandant Salomon Morel Völkermord verbrochen habe. Von polnischen Verbrechen gegen die Menschheit schrieb letztens der Abgeordnete im Sejm, Kazimierz Kutz, im „Dziennik Zachodni“. Es gab mehr solcher Lager. Ich wiederhole zwecks Erinnerung einige Namen der Lager: Inowrocław, Będzin, Gdańsk, Krotoszyn, Mielęcin, Warszawa ul. Gęsia, Bytom, Majdanek, Gorzów Wlkp. Elbląg, Otwock, Piła, Wrocław, Toszek, Zabrze, Oświęcim-Brzezinka und zig Lager bei Gruben, in welchen Schlesier und Deutsche zur Sklavenarbeit gezwungen wurden. Sie wurden unmenschlich behandelt. Essen, welches sie bekamen, war oft Wasser mit Kohlrüben, Brot ein, zwei mal in der Woche. Sie wurden auch mit alten, verrotteten Kartoffeln gefüttert.

Wie „human“ man diese Sträflinge nach Deutschland überführt hatte nach der Entlassung kann man an einem Beispiel erkennen:

Am 27. September 1945 fuhr ein Zug von Głubczyce ab. In jeden Güterwaggon pferchte man 70-80 Personen ein. Niemand wusste wohin wir fahren. Einen Tag später kamen wir nach Nysa und hier wurde der Zug für 4 Tage auf ein Abstellgleis geleitet. Weil man im Lager uns keinen Reiseproviant gegeben hatte und niemand sich um Essen für uns kümmerte, schrieen wir vor Hunger um Brot. Niemand gab uns etwas. Als die Miliz die Waggons öffnete, liefen wir auf die naheliegenden Felder und suchten Rüben und Kartoffeln. Die Miliz prügelte bei dieser Gelegenheit ältere Frauen. Pfarrer Ludwig beerdete nicht weit von den Gleisen sieben Verstorbene. In der Nacht kam die Miliz in den Waggon, nahm den Frauen die Handtaschen weg, durchsuchte sie und nahm was ihr gefiel. Den Männern nahm sie das restliche Geld. Bei jedem Halt trug man Leichen aus dem Zug und begrub sie im Bahndamm oder in den Sträuchern. An die Grenze kamen wir nach 15 Tagen, in dieser Zeit starben 88 Personen. Die erste Mahlzeit war in Deutschland... bis zur Endstation starben noch 280 Leute.

Die Wochenzeitung „Wprost“ schrieb: „Die Nachkriegsdeportation der Deutschen trug den Charakter einer ethnischen Säuberung und enthielt viele Akte der Grausamkeit. Opfer dieses Aktes der Gruppenverantwortung waren meistens Kinder, Invaliden und Frauen. In den Lagern von Łambinowice, Potulice, Mysłowice, Sikawa und Blachownia starben die Inhaftierten vor Hunger. Außerdem waren sie Opfer von Verbrechen der polnischen Wärter“.

Das Ziel der deutschen Ausstellung ist keine Produktion von nicht existierenden Begebenheiten, aber das Aufzeigen der Realität dieser Zeiten. Anfangs wollte man nur die Vertreibung darstellen, aber nach längeren Diskussionen beschloss man nicht nur die Vertreibung von Deutschen zu zeigen, aber die Gesamtheit des XX Jahrhunderts als Ära der europäischen Vertreibungen.

Schauen wir in die neueste polnische Literatur. In der im Jahre 2007 herausgegebenen „Multimedialna Historia Polski“ (Multimediale Geschichte Polens), welche von vielen Zeitungen verbreitet wurde:

Życie Warszawy, Głos Szczeciński, Głos Koszaliński, Głos Słupski, Gazetę Pomorską, Gazetę Współczesną, Tygodnik Ostrołęcki, Gazetę Lubuską, NTO, Echo Dnia, Nowiny Rzeszowskie, Dziennik Lubelski,

Auf Seite 40 im Band 27 können wir lesen, dass Juden, Ukrainer, Weißrussen, Litauer und Deutsche „die polnische Staatsangehörig- keit behalten wollten und keiner Zwangsaussiedlung unterworfen wurden“.

Auf Seite 34 lesen wir: „Polen hatte viele Probleme bei der Bewirtschaftung von Ländern, welche uns im Westen und Norden zugesprochen wurden. Die Siegermächte beschlossen, dass die Deutschen diese Terrains verlassen müssen. Bei der „Ausfahrt“ dürfen sie nur Handgepäck mitnehmen.“

Nichts von Vertreibungen aus Wohnungen und Häusern, Morden und Inhaftierung in Lagern. Enigmatisch – „Ausfahrt“. Vielleicht noch in Zügen erster, zweiter oder dritter Klasse?

In der neuesten 25-bändigen „Geschichte der PRL 1944-1989“, herausgegeben im Jahre 2009 durch die Zeitungen „Dziennik“ und „Newsweek Polska“ kein Wort von Vertreibungen. Von Lagern schrieb man in Band II auf Seite 26 nur ein paar Worte: „Eine ruhmlose Karte der Anfänge der kommunistischen Regierung ist das Bestehen des Lagers in Jaworzno, welches für Deutsche während dem Kriege organisiert wurde. Im „Unterlager“ befanden sich Verdächtigte der Tätigkeit in OUN oder Sympathisierung mit UPA-Mitgliedern...“ und das ist Alles von Aussiedlungen, Einsperren in Lagern. Woher soll die polnische Gesellschaft etwas über diesen dunklen Teil der Geschichte wissen? Ich unterstreiche – die Gesellschaft, denn ein Teil der Intelligenz kennt diese Probleme, aber die breite Masse wurde nicht über die Nachkriegsmorde informiert. Kürzlich sprach ich mit einer ehemaligen Politologiestudentin aus Katowice, welche ihre Studien mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen hatte und jetzt Journalistin ist. Sie war erstaunt über das was Sie von mir über die Nachkriegszeit hörte. Das Erstaunen war dementsprechend größer, denn wie Sie mir erklärte, wurde während dem Studium überhaupt nichts über die Jahre 1945-1953 gesprochen. Man muss zugeben, das es schwierig ist daran zu glauben obwohl, wenn man die neuesten Geschichtsbücher der Schule anschaut, in welchen nur Informationen sind, welche zu den politischen Bedürfnissen passen, da kann ich mir denken, dass das Studienprogramm auch diese Zeit nicht enthält.

Aus der Enzyklopädie der „Gazeta Wyborcza“ aus dem Jahre 2005, für welche die Stichwörter vom „Wydawnictwo PWN“ bearbeitet wurden, erfahren wir von verschiedenen Lagern: Hitler’sche Lager, Vernichtungslager, Internierungslager für Soldaten, Gefangenenlager für polnische Soldaten, Lager für Kriegsgefangene, sowjetische Lager, aber von polnischen Nachkriegslagern nicht mal eine Linie.

In der 21-bändigen „Historia“ (Geschichte) aus dem Jahre 2008, vorbereitet für „GW“ lesen wir im Band 16 auf Seite 101: „Während den Kriegshandlungen flüchteten oder wurden evakuiert - circa 5 Millionen Deutsche aus den „Wiedergewonnen Ländern“. Von 1945 bis 1950 wurden circa 3,5 bis 4 Millionen Deutscher ausgesiedelt.“ Das ist Alles!

Nur „Wielka Historia Polski“ in 9 Bänden, herausgegeben im Jahre 2003 durch PINNEX, im Band 8 auf Seite 31 gibt an: Die Übersiedlungsaktion betraf im größten Grade die deutsche Bevölkerung, welche vor dem Kriegsausbruch in den zukünftigen „Wiedergewonnen Ländern“ über 7 Millionen zählte. Ein beträchtlicher Teil wurde von deutschen Behörden evakuiert oder verließ spontan diese Terrains vor der sich nähernden Roten Armee (...) Die überbliebene deutsche Bevölkerung wurde verschiedenen Schikanen und Repressionen ausgesetzt nach dem Prinzip der gemeinsamen Verantwortung. In dem ehemaligen Grenzgebiet kam es zu Akten von Selbstjustiz gegen Deutsche. Ihre Nachbarn – die Polen führten brutale Morde durch. Die polnischen Behörden realisierten Massenverhaftungen der deutschen Bevölkerung, welche in die ehemaligen Hitler’schen Konzentrationslager und Gefangenenlager gesteckt wurde, z. B. in Łambinowice bei Niemodlin . Ein Teil wurde in die UDSSR deportiert. Sie wurden zu sklavischer Arbeit gezwungen, am meisten in Steinkohlengruben. Viele starben vor Hunger und Erschöpfung, ähnlich wie auch die in die britische und russische Besatzungszonen ausgesiedelten. (...) Das von Polen erfahrene Leid und die überlebten Tragödien, für viele unverdient, warfen einen Schatten auf die Entwicklung der Deutsch-polnischen Verhältnisse.“

Der polnische Blick auf das Zentrum gegen Vertreibungen ist erstaunlich, einige Aussagen sind dieselben wie zu Zeiten des Kommunismus und des kalten Krieges. Beispielsweise aus „Rzeczpospolita“ (18.03.2009) kann man erfahren: „Man stellt keine Denkmäler Personen auf, welche aus eigener Schuld gelitten haben. Es lohnt sich an sie zu denken, wenn das eine Warnung für zukünftige Generationen ist. Das wäre ein Platz zum Nachdenken über die Schuld des deutschen Volkes“ und weiter, ... diese Leute verdienten ihr Los. Sie litten, aber es war ein verdientes Leiden. Als Gesamtheit tolerierten sie Hitler, welcher zum Ausbruch des Krieges führte... Die historische Politik der Regierung beschränkt sich auf hysterisches Angreifen der Frau Steinbach“. Was zum Nachdenken wert ist, dass die Polen denken wie in den vergangenen Jahrhunderten, sie vergessen, dass wir im XXI Jahrhundert leben und das Prinzip der gemeinsamen Verantwortung schon lange von anderen Staaten verurteilt wurde. Es fehlt hier wenigstens ein Wort, dass Polen schuld ist an dem Leiden von Millionen der vertriebenen Menschen. In Potsdam war die Rede von humanitärer Umsiedlung, und die polnische Seite zeigte mit ihrem Verhalten, wie es nicht sein sollte und sie sieht das eigene unmenschliche Verhalten nicht – Schläge, „Märsche für Hitler“, Morde, Gefängnisse und Lager.

Als im Jahre 2004 nach langen Diskussionen in Deutschland die Ausstellung „Erzwungene Wege“ geöffnet wurde, welche der Keim (Embryo) des zukünftigen Museums sein sollte, schrieben die deutschen und ausländischen Medien bewundernd von einer gut gemachten , nicht tendenziösen Ausstellung, sogar die polnische Presse drückte sich positiv aus. Die polnische Regierung, damals Präsident und Premierminister – die Herren Kaczyński, machten natürlich alles um diese Ausstellung zu torpedieren. Der Präsident fuhr am Tage der Eröffnung der Ausstellung nach Stutthof und sagte mit Nachdruck, dass die Deutschen diese Art von Ausstellungen ansehen sollten und nicht eigene machen. Und ohne sie zu sehen hat er sie schlecht beurteilt. Nicht nur das, einige präsentierte Exponate, u. A. die Schiffsglocke vom „Gustloff“, welcher kurz vor Kriegsende – mit 11000 Flüchtlingen an Bord versenkt wurde wobei 9000 im kalten Wasser der Ostsee ertranken, mussten so schnell wie möglich an Polen zurück gegeben werden. Der Platz der Glocke blieb leer, was symbolisch wirkt.

In einem Interview sagte Steinbach: „Nur Polen protestiert gegen das Zentrum. Am Beispiel der Armenier sieht man klar, dass so eine Absage zu nichts führt... Je länger man ein Problem nicht anerkennt, desto mehr gewinnt es an Aktualität“.

Während einem Treffen von CDU und CSU, welches dem Gedenken an das Los der ausgesiedelten Deutschen nach dem Kriege aus Polen und anderen Ländern gewidmet war, fehlten auch Merkel und Steinbach nicht. „Für die Chefin Merkel war das eine weitere Gelegenheit, um Solidarität mit der Gemeinschaft der Vertriebenen zu zeigen. Das Kapitel „Flucht und Vertreibung“ darf nicht im Archiv verschlossen sein – erklärte Sie und adressierte speziellen Dank an Erika Steinbach für den Anteil an der Vorbereitung des Projekts „Sichtbares Zeichen“ und Sie setzte hinzu „Wir werden dieses Projekt immer im Sinne der Versöhnung sehen...Es ist klar wie Wir unsere Geschichte sehen: Wir kennen die Ursachen und Wirkungen, aber Wir sagen auch, dass man Unrecht immer Unrecht nennen muss.“ (Rz)

Im ausführlichen Interview für das Radio „Deutschlandfunk“ gab Merkel offiziell zu, dass Sie sich vollkommen mit Erika Steinbach solidarisiert, vor Allem bei dem Problem der Kreierung des Projekts „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“.

Angela Merkel stellte gleichfalls fest, dass das Entstehen des Projekts, betreffend Vertriebene, es ermöglicht, um bei Präsenz der noch in der Gesellschaft lebenden Opfer (ein großer Teil ist schon tot) im Gedächtnis der ganzen Gesellschaft der Fakt bewahrt wird, dass ungerechte Vertreibungen niemals vergessen werden. (NDz) Weiter versprach Sie, dass die in Berlin entstehende Fundaton „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, keine Reinterpretation der Geschichte durch die Deutschen bedeuten kann und sein wird, keine Verdrehung von Ursachen und Auswirkungen des II Weltkrieges.

Der polnische Außenminister Daniel Rotfeld sagte in einem Interview: „Man überwertet unnötig Frau Steinbach und den BdV, welche der Geschichte angehören. Wir dürfen keine Streitigkeiten anfangen, wir haben genügend andere Probleme, welche nicht gelöst sind. Für uns hat es eine geringere Bedeutung, wer an der Spitze des Bundes steht und wie die Repräsentation in der Fundation aussieht. Unserer größter Feind ist die Ignoranz und das Unwissen der Geschichte, denn nur die Eliten haben ein vertieftes Wissen über Polen. Grundlegende Wichtigkeit hat das, was einfache Leute über Polen wissen. Gegenspruch weckt...mit dem Projekt „Sichtbares Zeichen“ verbundene Gefahren.

Und sollte man den polnischen Bürgern nicht sagen, was nach dem Kriege geschah? Wenn wir wollen, dass die Deutschen über Polen wissen, weshalb sollen die Polen nicht wissen, was Sie den Deutschen angetan haben? Vielleicht könnte man sich besser verständigen, weil man sehen würde, dass die Anderen auch durch unseren Krieg gelitten haben.“

Jan Józef Lipski schrieb: „Wir haben Anteil genommen an der Vertreibung von Millionen Menschen aus ihrer Heimat, von welchen einige schuldig waren durch eine Stützung Hitlers, andere durch passives Zuschauen auf seine Verbrechen, noch andere waren einfach keine Helden und kämpften nicht gegen diese furchtbare Terrormaschine – in einer Situation, als der Staat Krieg führte. Das uns angetane Böse, sogar das größte, ist aber und darf keine Entschuldigung des Bösen sein, welches wir selbst getan haben. Die Aussiedlung aus ihren Wohnungen kann vielleicht das weniger Schlimme sein – niemals etwas Gutes.“

Und Herr H. Sauer, der Chef des Bundes des Östlichen und Mittel-deutschland (OMV) – der Organisation welche innerhalb der Strukturen der CDU funktioniert – sagte: „Ich verstehe nicht wovor die Polen Angst haben. Niemand in Deutschland versteht die persönlichen Angriffe auf Erika Steinbach. Entschlüsse in Sache „Sichtbares Zeichen“ und der Gremien, welche diesen Posten administrieren, fallen in Deutschland, denn das ist eine Sache der Deutschen. Von Polen erwarten Wir nur die Bekennung, dass die Vertreibungen ein Verbrechen an Deutschen waren.“

Prof. Gesine Schwan, ehemalige Rektorin der Universität Viagrina in Frankfurt an der Oder, wo Tausende Polen studieren, die Koordinatorin des deutschen Außenministeriums der Zusammenarbeit mit Polen und ein Freund Polens, sagte: „Den Begriff Schuld darf man nicht auf das ganze Volk anwenden. In Deutschland agierten Mitglieder der Widerstandsbewegung (Resistenz), was man in Polen zielgemäß nicht unterstreicht. Unzulässig ist die Benutzung des Begriffes der deutschen Schuld als Motiv im Kampf um die aktuellen Interessen Polens... In Beziehungen mit Nachbarn ist es nötig, dass man sich darüber im Bilde sei, dass das Gedächtnis der Opfer ein anderes ist als das Gedächtnis der Generationen der Nachkommen der Täter. Viele junge Leute in Deutschland haben Eltern, welche aus der Türkei, Italien und anderen Ländern stammen, auch aus Polen. Wir können diesen Leuten nicht sagen, dass die Generation ihrer Großväter mit Schuld beladen ist. Junge Leute müssen von selbst wahrnehmen, was für familiäre Verbindungen sie mit der Generation der Täter haben. Verbrechen bleiben Verbrechen und dürfen nicht vergessen werden... Die Polen sind ein Volk, welches Probleme beim Finden eines eigenen Weges zwischen großen Nachbarn, Deutschland und Russland hat, und das mindestens vom XVIII Jahrhundert an.“

Bezeichnend ist das polnische Denken, dies bezeugt die Meinung eines Doktors, Adjunkt der Warschauer Universität, Bogdan Dziobkowski: „Wir erbauen ein Museum des II Weltkrieges, welches unsere Vision in attraktiver Weise darstellen wird.“

Es geht also Polen nicht um die Wahrheit in der Geschichte, aber um eine Vision, was das Wörterbuch der polnischen Sprache so erklärt: „durch jemanden gesehene Bilder, in Wirklichkeit nicht existierende, Sehen, Sehtäuschung, Halluzination ...“

Wojciech Piętak vom „Tygodnik Powszechny“ zeigte in einem längeren Artikel auf einige polnische Methoden hin, mit welchen man zum Ziel kommen wollte: „Der Erfolg Polens war nur möglich, weil es zur Erpressung griff. Wie gut informierte Leute berichten, hat Angela Merkel aus Warschau eine klare Übertragung erhalten: entweder Sie, oder Wir. Die Entwicklung dieser Alternative: Wenn „Sie“, d. h. Erika Steinbach im Rat der Fundation sitzt, werden die Deutsch-polnischen Relationen „eingefroren“... signalisierte Warschau: Bestimmt gibt es dann keine weitere „pragmatische“ Zusammenarbeit mit Berlin... Warschau drohte auch, dass Polen sich aus den Plänen zum gemeinsamen Gedenken an Jahrestagen zurückzieht – und davon gibt es sehr viele in diesem Jahr, voran der 70-te Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs, und der 20-te Jahrestag des Falls des Kommunismus in Mitteleuropa.“

Polen hat seinem Image geschadet nicht nur in den Augen von Angela Merkel und der CDU/CSU, aber auch bei einem großen Teil der deutschen Gesellschaft... Man kann sich schwer dem Eindruck entgegenstellen, dass die polnische Seite, welche von Deutschland Verständnis für ihren Standpunkt verlangt, keinen speziellen Willen dafür aufbringen will die deutsche Empfindlichkeit und Emotionen zu verstehen.“

Es wäre gut (angebracht) wenn die polnische Seite gedanklich ins XXI Jahrhundert eingehen würde und die europäische Geschichte so sehe wie sie war, und nicht so wie man sie in Polen sehen möchte.

Komentarze  

0 #1 Elyse 2021-05-26 19:42
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