Wydanie/Außgabe 111/03.06.2021

   

Im Lager in Potulitz befinden sich zur Zeit 21 000 Deutsche, davon 5 000 Kinder. Aus­schließlich im Lager sind ca. 6 000 Insassen anwesend, 15 000 arbeiten in den Kolonnen außerhalb des Lagers, vor allem auf den staatlichen Gütern und privaten Bauerngütern.

Die Lagerverwaltung verkauft zur Zeit die Insassen, die dann wie Sklaven unter Zwang und unter schrecklichen Lebensbedingungen leben und arbeiten müssen. Darum ist die Zahl derer, die umgekommen sind, sehr hoch und die Insassen enden oftmals durch Selbstmord. Alle Deutschen, die sich im Lager befinden, werden als Internierte bezeich­net und nach polnischem Recht soll jeder Deutsche aus der Gesellschaft ausgeschlossen und isoliert werden. In Wirklichkeit werden die Deutschen wie Gefangene behandelt. In den Lagern ist die Gefängnismethode eingeführt worden und die einzelnen Beamten, vom Kommandanten bis Wachmann, überbieten sich darin, das Leben im Lager zu er­schweren.

 Für die vier Jahre der Arbeit haben wir kein Geld bekommen. Andere, die im Lager geblieben sind und dort arbeiten, sind wie Gefangene gekleidet. Nur diejenigen, die außerhalb des Lagers in den Kolonnen arbeiten, tragen eigene, abgetragene Kleidung und sind auf das Mitleid des Arbeitgebers angewiesen. Der Bedarf an Arbeit der Deut­schen ist sehr groß, die monatliche Bezahlung für die Arbeit eines Mannes im Alter von 18 bis 60 Jahren beträgt 1 500 Złoty, für die Arbeit einer Frau 1 000 Zł. Die Deutschen müssen täglich 16 Stunden lang arbeiten, aber die polnischen Arbeiter verdienen drei- bis viermal mehr und arbeiten nur 8 Stunden.

Es ist sehr traurig, dass es sich jetzt noch nach dem Kriege so verhält. Die Jugendlichen und Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren müssen auf den Gütern Chrostowo, Mrozowo und Wirsitz die ganzen Monate hindurch sehr schwer arbeiten. Unter härtesten Lebens­bedingungen haben die Deutschen auf den Gütern Goncerzewo/ Gąsarzewo und Kas­pershof/Kasprowo in der Nähe von Bromberg 3 1/2 Jahre hindurch arbeiten müssen.

Umsiedlerkomittee

Unterschriften :

Kasoschke

Hettich Hildegard

Hans Cap

Kaserne 106 Leipzig, den 15. März 1949 

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