Wydanie/Ausgabe 118/11.09.2022

   

Die Gazeta Gdanska ist trotz ihres Namens in Wirklichkeit keine bodenständige Danziger Zeitung, vielmehr ein sogenanntes Kopfblatt, das auswärts hergestellt wird und überdies seinen „Kopf“ im Laufe der Jahre öfter gewechselt hat: so wurde sie zeitweise unter dem Titel Dziennik Gdanski herausgebracht oder wählte vorübergehend auch die Bezeichnung Kurier Gdanski. Jedenfalls sind die wiederholten Versuche, in Danzig neben dem deutsch geschriebenen Polenblatt, der Baltischen Presse, auch ein in polnischer Sprache erscheinendes Presseorgan aufzuziehen, bislang immer gescheitert! Auch konnte sich angesichts der verschwindend geringen Größe der polnischen Minderheit in Danzig eine eigene Druckerei nicht halten, - Zur Locarno-Politik, die ja eigentlich eine neue „Friedensära für Europa hatte einleiten sollen, lieferte die Gazeta Gdanska folgenden nicht gerade versöhnlich gestimmten Beitrag:

...Wenn die Deutschen heute die Revision der Grenze laut fordern, so möge dieser Wunsch erfüllt werden: dann erhalten wir Polen Ostpreußen, Flatow, Bütow, Lauenburg und das Oppelner Schlesien. Unsere Rechte auf diese Gebiete sind nicht verjährt. Wenn diese Gebiete infolge der Abstimmung nicht zu Polen geschlagen wurden, so lag es an der Vergewaltigung der Polen durch die Deutschen. Die polnische Regierung erkennt eine solche Abstimmung nicht an und wird sie auch nie anerkennen, und der energische Protest der polnischen Regierung an den Obersten Rat und den Völkerbund ist noch nicht erledigt. Wir fordern alle diese Länder, weil dort die polnische Sprache erklingt, und wir wollen sie unter die Flügel des Weißen Adlers nehmen. Mögen die Deutschen in der ganzen Welt schreien, daß ihnen der sogenannte pommerellische Korridor unbequem sei – Polen muß darauf bestehen, daß es ohne Königsberg und ganz Ostpreußen nicht existieren kann,.

Wir müssen jetzt in Locarno fordern, daß ganz Ostpreußen liquidiert werde. Es kann eine Autonomie unter polnischer Oberhoheit erbalten. Dann wird es ja keinen Korridor mehr geben. Sollte dies nicht auf friedlichen Wege gehen, dann gibt es sicher ein zweites Tannenberg, und alle diese Länder kehren dann sicher zurück in den Schoß des geliebten Vaterlandes.“

Dasselbe Blatt, Nr. 82 vom 5. April 1926 gab in einem Artikel, der sich mit dem „Problem der polnischen Marinepolitik“ befasste, für die Richtung der polnischen Expansion zwei Parolen aus – eine vorläufige und eine später zu befolgende:

... Preußen, das nach dem Korridor drängt und das uns von zwei Seiten umgibt, macht unsere Lage im Korridor geradezu tragisch. Wir müssen darum das Polentum im Korridor stärken, besonders aber die Masuren aus dem nationalen Scheintode erwecken und organisieren und eine starke Handels- und Kriegsflotte schaffen. Es hängt viel von Russland ab. Expansiosgelüste auf Delhi und Kalkutta lenken, während wir selbstverständlich unseren Marsch auf Stettin und Königsberg richten. Die natürliche Grenze Polens ist im Westen die Oder, im Osten die Düna in ihrem Mittel- und Unterlaufe. Darum lautet unsere Parole: Von Stettin bis Riga! Doch fürs erste wollen wir Russland nicht reizen, weil es Riga nicht für immer aufgeben möchte. Es wird und auch so später gehören. Unsere jetzige Parole lautet: Von Stettin bis Polangen. Deutschland ist machtlos. England wird mit Russland zu tun haben, und wir werden mit Hilfe Frankreichs freie Hand gegen Deutschland haben. Nun müssen wir aber Propaganda für das polnische Meer machen und spezielle Blätter für diese Propaganda herausgeben. Jede Zeitung muss reich und herrlich illustrierte Wochenbeilagen haben, so dass die polnische Öffentlichkeit sich durch Wort und Bild immer wieder mit dem Baltischen Meere beschäftigt.“

Die Gazeta Warszawska vom 2. Februar 1929 schrieb:

...Polen war im Jahre 1919 verpflichtet, den Minderheitenvertrag zu unterschreiben, weil dieser gleichzeitig mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages zusammenlief. Polen war damals noch kein Staat und musste sich somit allen Verpflichtung fügen. Jetzt ist die Sache anders geworden. Polen ist ein Staat, der es sich leisten kann, Verträge zu achten oder nicht zu achten. Durch das zehnjährige Bestehen besitzt das polnische Volk schon genug Selbstbewusstsein, und durch die Notwendigkeit, wird es versuchen, jede Kontrollea abzuwälzen.“

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