Wydanie/Ausgabe 121/15.01.2023

   

Vor 28 Jahren, genauer gesagt am 5. Februar 1994, starb ein außergewöhnlich talentierter Radsportler – Joachim Halupczok – im Alter von nur 26 Jahren. Der am 3. Juni 1968 in Niewke (Gemeinde Chronstau) geborene Sportler war u. a. Olympia-Vizemeister, Weltmeister und Vize-Weltmeister. Radsportexperten sagten ihm die Chance auf noch größere Erfolge voraus, doch im Alter von nur 24 Jahren musste er sich von seinen Träumen von weiteren Triumphen verabschieden. Zwei Jahre später starb er.

Joachim Halupczok zeigte bereits in den ersten Tagen des Radtrainings überdurchschnittliche Fitness und Talent. Schon als Jugendlicher dominierte er die Juniorenkategorien. Im Jahr 1987 gewann er gleich drei Goldmedaillen bei den polnischen Radmeisterschaften: im Straßenrennen, im Bahnrennen und im Cross-Country-Rennen. Dies brachte ihm eine Berufung in die polnische Nationalmannschaft für die Olympischen Sommerspiele 1988 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ein. Damals war er erst 20 Jahre alt und hatte noch keine Erfahrung mit solch prestigeträchtigen Veranstaltungen. Dennoch lastete ein enormer Druck auf ihm, denn mit seinem Start in Seoul waren in Polen große Hoffnungen verbunden, vor allem im Mannschaftsfahren. In dieser Radsportkonkurrenz galt das polnische Team damals als einer der Favoriten und hatte darin eine große Tradition mit seinen Silbermedaillen bei den Olympischen Spielen 1972 in München und 1976 in Montreal.

König von Chambéry
Trotz des enormen Drucks war Joachim Halupczok der Aufgabe gewachsen. Unter seiner Führung wurde Polen Olympia-Vizemeister in Seoul! Nur 7 Sekunden hinter der ehemaligen ostdeutschen Mannschaft. Der olympische Vizemeistertitel motivierte Joachim Halupczok zu noch mehr Einsatz, den er ein Jahr nach den Olympischen Spielen in Korea in noch größere Erfolge umsetzte. Zunächst gewann er die polnische Meisterschaft. Im selben Jahr wurde er bei der Weltmeisterschaft in Chambéry, Frankreich, Vizeweltmeister im Mannschaftsrennen, das erneut von Fahrern aus der ehemaligen DDR gewonnen wurde. Drei Tage nach diesen Emotionen fand ein Einzelrennen der Amateure mit Massenstart statt, bei dem sich Joachim Halupczok nunmehr als der Beste erwies. Im Vorfeld hielten viele Experten Joachim Halupczok zwar für einen der Favoriten, doch was der damals 21-jährige Radsportler des LKS Ziemia Opolska zeigte, übertraf alle Erwartungen. Er gewann in großem Stil auf einer außergewöhnlich schwierigen Strecke, auf der er seine Konkurrenten geradezu deklassierte und dabei zwei Runden alleine fuhr, um die Goldmedaille zu holen. Im Ziel hatte er fast drei Minuten Vorsprung vor seinen Konkurrenten, die ihn aussichtslos verfolgten!  Joachim Halupczok zeigte überdurchschnittliche Fitness und Talent.

Profi-Peloton und Herzrhythmusstörungen
Ein Jahr nach seinem großen Erfolg bei der Amateur-Weltmeisterschaft unterzeichnete Joachim Halupczok einen Profivertrag. Die erste Gruppe, der er sich anschloss, war Diana Colnago Animex. Nicht alle hielten dies für den richtigen Zeitpunkt für einen solchen Karriereschritt. Viele Trainer in Polen waren dagegen, dass er Profi wurde. Schließlich war Joachim Halupczok erst 21 Jahre alt und niemand kümmerte sich richtig um ihn. Damals gab es auch noch nicht das, was heute die Norm ist – eine ruhige Einführung der jungen Fahrer in das Profipeloton, wobei die Belastung nur stufenweise erhöht wird. Joachim lernte das nicht kennen. Kein Schutzschirm wurde über ihm aufgespannt, er war sich selbst überlassen und bekam eine große Verantwortung übertragen, immer sein Bestes zu geben und nach den höchsten Lorbeeren zu greifen. Im Nachhinein ist klar, dass er dazu nicht ganz bereit war. Außerdem wurde im Herbst desselben Jahres bei Joachim Halupczok bei einer Routineuntersuchung eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert. Infolge dieser Diagnose zog er sich für ein Jahr vom Radsport zurück und ließ sich behandeln. Nach dieser Pause schien dann alles wieder normal zu werden. Er begann, erneut im Profi-Peloton zu fahren und man ging davon aus, dass er jeden Moment um die größten Titel mitfahren könnte.

Das Ende eines Märchens
Inzwischen kehrte die Krankheit mit doppelter Wucht zurück. Sie entwickelte sich so weit, dass Joachim Halupczok 1992 seine Karriere beenden musste. Auf diese Weise brach seine Traumkarriere, die er erfolgreich verfolgt hatte, ab. Immerhin wurde Joachim Halupczok in sehr jungen Jahren Vize-Olympiasieger, Weltmeister und Vize-Weltmeister. Dann wurde er Profi und begann, richtig Geld zu verdienen. Seine Karriere war wie ein Märchen. Doch das Märchen endete, als er gesundheitliche Probleme bekam, die er nur schwer akzeptieren konnte. Er hatte sein ganzes Leben lang Sport getrieben und konnte sich nicht vorstellen, von heute auf morgen damit aufzuhören. Deshalb beschloss er, den Sport auf eine andere, ganz und gar amateurhafte Weise zu betreiben. Unter anderem spielte er oft mit Freunden Fußball. Leider ist er am 5. Februar 1994 im Alter von nur 26 Jahren von uns gegangen. An diesem Tag wollte er trotz Herzrhythmusstörungen mit seinen Freunden Fußball spielen. Er sollte bei einem Hallenturnier in Oppeln die Position des Torwarts übernehmen. Während des Aufwärmens wurde er jedoch unerwartet ohnmächtig. Die Sanitäter vor Ort leiteten sofortige Maßnahmen ein, doch trotz ununterbrochener Wiederbelebungsmaßnahmen starb Joachim Halupczok auf dem Weg ins Krankenhaus.
Halupczok geehrt
Seine Freunde und Kollegen konnten es nicht glauben. Halupczoks Nationalmannschaftskamerad Andrzej Sypytkowski sagte, er habe bei vielen Rennen mit ihm in einem Zimmer gewohnt. Er betonte, dass Joachim ein wunderbarer, ehrlicher und bescheidener Mann war, der jedoch nicht verstanden habe, dass er sehr schwer krank war. Auch andere seiner Freunde meinten, dass Achim (so sprachen sie ihn an) immer wieder sagte, er würde bei den Amateuren fahren, wenn der Arzt ihm die Rückkehr ins Profipeloton verbieten würde. Das war stärker als die Angst vor dem Tod. Viele der Fahrer, mit denen er konkurrierte oder mit denen er befreundet war, bestätigen deshalb bis heute, dass Achim Halupczok ein echter „Fighter“ der Straße war, und fügen hinzu, dass sie ihm in ihrem Herzen ein Denkmal gesetzt haben. Und in seinem Heimatort Niewke wurde eine Bronzestatue errichtet, die den preisgekrönten Radfahrer darstellt. Außerdem ist seit 1994 die höchste Bergwertung der „Tour de Pologne“ Joachim Halupczok gewidmet und der Stadtrat von Oppeln hat beschlossen, dass die Fahrradbrücke über den Ulga-Kanal in Oppeln nach Joachim Halupczok benannt werden soll. Wunderschön! Es ist nur schade, dass er nicht mehr unter uns ist…. (Wochenblatt aus Oppeln)

 

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